Technik

Raue, saugfähige Oberflächen

Raue Natursteinoberflächen (geflammt, gestrahlt oder bruchrau) zeichnen sich durch hohe Griffigkeit, starke mechanische Belastbarkeit und ihren natürlichen Charme aus.
Leider sind diese meist sehr saugfähig und nehmen Schmutze und Flecken gerne an bzw. auf. Zusätzlich können Verschmutzungen an der rauen, griffigen Gesteinsoberfläche sehr gut anhaften und lassen sich oft nur schwer aus den Vertiefungen entfernen. Die erste Herausforderung ergibt sich dadurch schon bei der Verfugung des Belages. Fugmittel und Zementschleier sind oft nur schwer und mühsam zu entfernen, da es sich oft in die Belagsoberfläche saugt und hartnäckig an die Oberfläche klammert.


An rauen Oberflächen können sich Fugmörtel leicht verkrallen

Gibt es hierfür eine Lösung?
Durch eine spezielle Schutzbehandlung können viele dieser Probleme gemildert oder vermieden werden. Die Platten werden nach der Verlegung bzw. vor dem Ausfugen behandelt, nach einer Trockenzeit von ca. 12 Stunden (über Nacht) erfolgt die Verfugung.

Eine Schutzbehandlung vor dem Ausfugen bewirkt somit:
– eine Reduzierung der Wasseraufnahme.
– eine Reinigungserleichterung z.B. von Fugmaterial.
– zusätzlichen Schutz während der Bau- bzw. Austrocknungsphase.

Nachdem der Belag ausgetrocknet ist, kann die sauber gereinigte Fläche mit einem klassischen Schutzsystem, wie z.B. einer Fleckschutzimprägnierung, behandelt werden. Hierdurch entsteht der optimale Schutz der Platten und Fugen für die anschließende dauerhafte Nutzung.

Wie erfolgt die Verarbeitung?
Der nach dem anerkannten Stand der Technik fest verlegte Belag wird meist am Tag vor dem Ausfugen mit dem jeweiligen Schutzprodukt behandelt. Das Material wird dünn und gleichmäßig auf den Belag aufgebracht. Überschüssiges Produkt oder Pfützen nicht antrocknen lassen, sondern umgehend im flüssigen Zustand aufnehmen. Nähere Informationen über Anwendung und Verarbeitung finden Sie in den Technischen Merkblättern der Hersteller.
Am Markt werden schichtbildende und nicht schichtbildende Schutzsysteme für diesen Einsatzzweck angeboten. Aufgrund der Dampfdiffusionsfähigkeit und des verbleibenden Schutzes während der Bauphase werden heute meist Imprägnierungen, welche zu den nicht schichtbildenden Systemen gehören, eingesetzt.


Trentiner Porphyr mit bruchrauer Oberfläche

Wie funktioniert der Schutz?
Durch den Einsatz einer „Ausfughilfe“ wird die Saugfähigkeit des Gesteines sehr stark verringert. Das zementäre Fugmaterial trocknet (durch die fehlende Saugfähigkeit)auf den Platten langsamer und lässt sich dadurch über einen längeren Zeitraum leichter abwaschen. Die Griffigkeit des Belages bleibt unverändert, ein gründliches „Abwaschen“, also das Aufnehmen des überschüssigen Fugmörtels von der Belagsoberfläche in Verbindung mit viel sauberem Wasser, bleibt nach wie vor erforderlich. Sollten trotz aller Gründlichkeit noch Rückstände des Fugmörtels auf dem Belag verbleiben, so können diese je nach Natursteintyp mit alkalischen oder leicht sauren Reinigern entfernt werden.
Durch das Ausfugen und Abwaschen des Fugmörtels wird ein Teil der „Ausfughilfe“ auf der Belagsoberfläche mit entfernt. Der restliche Teil des Schutzproduktes verbleibt im Porengefüge des Belages. Die verbliebenen Wirkstoffe erreichen eine gewisse wasser- und schmutzabweisende Schutzwirkung während der Bau- und Austrocknungszeit.
Wenn die Flächen ausreichend ausgetrocknet sind, kann nach einer Grundreinigung eine weitere Schutzbehandlung mit einem klassischen Schutzsystem erfolgen. Hierdurch entsteht für Platten und Fugen ein optimaler Schutz für die spätere Nutzung.

Stefan Jedersberger
Leiter der Anwendungstechnik bei Möller-Chemie Steinpflegemittel GmbH
Email: s.jedersberger@moellerstonecare.eu
Website: www.moellerstonecare.eu

Beitrag erstellt am 9.2.2018

Kalkstein – Aussehen

Kalksteine bewegen sich häufig in einem hellbeigen Farbspektrum. Es sind jedoch auch rötliche bis braune sowie unterschiedlich abgestufte graue Grundfarbtöne möglich. Am Markt werden des Öfteren schwarze Marmorsorten angeboten. Schwarzen Marmor gibt es nicht. Auch hierbei handelt es sich in der Regel um schwarze Kalksteine. Häufig zeigen Kalksteine ein geadertes Gefügebild, weshalb sie häufig mit Marmor verwechselt werden.


Kalkstein Jura Deutschgelb mit fossilien Einlagerungen

Im Gegensatz zu Marmor, der durch seine kristalline Umwandlung sehr durchscheinend wirkt, ist die Transluzenz bei Kalksteinen wesentlich geringer. Man kann dies beispielsweise an einer Natursteinfliese prüfen. Hält man eine derartige Fliese gegen das Licht, so kann man seine Finger bei einer Marmorfliese meist durch die Fliese hindurch erkennen. Bei einem Kalkstein ist dies nicht der Fall. Kalksteine zählen zu den wenigen Gesteinsarten, die Fossilien enthalten können, was sie sehr beliebt macht.

Kalksteine – transparente Calcitadern
Adern entstehen in Gesteinen meist dann, wenn es durch tektonische Bewegungen der Erdkruste zu Rissbildungen in den Gesteinskomplexen kommt. Sie treten im Gestein in unterschiedlicher Verteilung und Größe auf. Adern sind für das jeweilige Dekor entscheidend. Neben den breiteren, oft farbig gefüllten Adern sind in Kalksteinen häufig auch kleinere Risse mit transparentem Calcit sekundär verfestigt, so dass die ehemals unverfüllten Risse nach der Verheilung kein Problem mehr darstellen.

Bautechnische Relevanz:
Derartige, natürlich verheilten Stiche werden immer wieder von Bauherren als Mangel gerügt. Es wird vermutet, dass die Werkstücke bei der Fertigung beschädigt und transparent verklebt wurden. Dem ist jedoch nicht so, wie man auf der oberen Abbildung ganz klar erkennen kann. Es wäre technisch überhaupt nicht möglich, eine Verklebung mit einem solchen Versatz herzustellen. Diese feinen, transparenten Calcitadern sind natürlichen Ursprungs und nicht als Mangel zu werten. Es besteht bei vollständiger natürlicher Ausheilung keine Gefahr, dass Werkstücke an dieser Stelle nochmals brechen könnten.

Dipl.-Ing.(FH) Detlev Hill
Inhaber Informationsdienst Naturstein
Email: info@steininfo.de
Website: www.steininfo.de

Beitrag erstellt am 2.2.2018

Gut Ding will Weile haben

Manchmal werden Reinigungskräfte wie Reinigungsprodukte vor schwierige Aufgaben gestellt. Da wird ein Gebäude über viele Jahre genutzt, und man merkt meist gar nicht, wie sich Verschmutzungen im Laufe der Jahre an manchen Stellen aufbauen und festsetzen.
Spätestens wenn Inventar verschoben wird, werden solche Stellen dann offensichtlich. Jetzt schnell reinigen! Doch halt, nicht ganz so schnell…
Gönnen Sie den kleinen Helferlein, welche die Hersteller in die Reinigungsmittel geben, ein paar Minuten, um die Arbeit für Sie zu erledigen!


Tenside sind auch für die Schaumbildung verantwortlich

Schon mit ein paar Minuten Einwirkzeit sparen Sie Arbeit und Material und schonen damit gleichzeitig die Umwelt. In dieser Zeit unterwandern die Wirkstoffe den Schmutz, legen sich um die Schmutzpartikel herum und sorgen dafür, dass er sich leichter ablöst und mit der Schmutzflotte weggespült werden kann.
Die Einwirkzeit ist in der Verarbeitungsvorschrift angegeben und beträgt in der Regel 5-10 Minuten.

Ausreichende Einwirkdauer verbessert die Reinigungswirkung

Unterhaltsreinigungen werden meist unter großem Zeitdruck durchgeführt. Gerade bei der maschinellen Reinigung ist die Kontaktzeit der Reinigungsflotte sehr kurz. Fest sitzender Schmutz lässt sich damit kaum entfernen.
Bei einer Grundreinigung sieht es meist anders aus: Der Reinigungsflotte wird eine Einwirkzeit „gegönnt“ und die bedankt sich mit einer besseren Reinigungswirkung bei gleichzeitig geringerem Materialverbrauch.
Wäßrige Reinigungsmittel enthalten i.d.R. nichtionische und anionische Tenside oder amphothere Tenside, außerdem können Hilfsstoffe wie z.B. Alkohole, Phosphate, Komplexbildner usw. enthalten sein.


Die Einwirkzeit unterstützt die Reinigungswirkung

Die Tenside setzen die Oberflächenspannung des Wassers herab und lagern sich an den Schmutzpartikeln an. Dadurch wird der Schmutz in der Reinigungsflotte gehalten und kann abgespült werden. Alkohole verstärken das Lösevermögen von hartnäckigen Verschmutzungen, Phosphate und Komplexbildner enthärten das Wasser und tragen so zur Reinigungsleistung bei.
Alle diese Vorgänge benötigen etwas Zeit, die Reinigung geht daher mit etwas Einwirkzeit deutlich einfacher. Die Einwirkzeit darf aber auch nicht zu lange dauern: Reiniger sollte man generell nicht eintrocknen lassen.
Bei speziellen Reinigern, die z.B. Säuren (Sanitärreiniger, Kalklöser) oder Laugen (meist zum Entfetten oder zur Entfernung alter Bodenpflegemittel verwendet) enthalten, muss die Einwirkzeit auf die Beständigkeit des Untergrundes angepasst werden. Vorhergehendes Wässern und die Einhaltung der Einwirkzeit sind hier daher besonders wichtig.

Ralf-Peter Winkler Alpin-ChemieDipl.-Chem.Ralf-Peter Winkler
Entwicklungsleiter bei Alpin-Chemie GmbH
Email: info@alpin-chemie.de
Website: www.alpin-chemie.de

Beitrag erstellt am 30.10.2017