Technik

Marmor – Aussehen

Marmor kann in der Natur in den unterschiedlichsten Farben vorkommen. In seiner Reinform ist Marmor schneeweiß. Diese weißen Marmorsorten sind jedoch sehr selten. Zu ihnen zählen beispielsweise Thassos, Bianco Sivec oder Lasa. Auch innerhalb der Brüche dieser weißen Marmorsorten kommt es zu farblichen Abweichungen. Wegen der aufwendigen Sortierung und geringen Ausbeute hat der rein weiße Marmor einen entsprechend hohen Preis. Er ist jedoch von zeitloser Eleganz.


www.naturstein-datenbank.de / Arabescato Cervaiole

Meist wird bei Marmor das Dekor durch Aderungen in unterschiedlichen Abständen und Breiten bestimmt. Dabei ist jede Platte ein Unikat. Typisch für Marmor ist eine große optische Tiefenwirkung. Diese kommt am besten bei polierten Oberflächen zur Geltung. Da Marmor durchscheinend ist, entsteht bei Hinterleuchtung eine sehr dekorative Wirkung. Schwarze Marmorsorten, wie häufig in Prospekten aufgeführt, gibt es nicht.

Marmor – farbgebende Minerale
Marmor besteht überwiegend aus dem Mineral Calcit. Da es durch durch die Metamorphose von Kalkstein zu Marmor zu einer Rekristallisation der Calcitminerale kam, weisen diese eine hohe transluzent auf. Die Sekundärfarben der Aderung sind häufig durch die Minerale Graphit (grau bis schwarz), Hämatit (rot), Limonit (gelb) verursacht. Diese können auch bei disperser Verteilung zu einer entsprechenden Modifizierung des Grundfarbtons beitragen.


www.naturstein-datenbank.de / Rosa Portogallo

Rein weiße Sorten sind sehr selten. Auch innerhalb dieser Sorten kann es durch akzessorische Beimengungen zu optischen Abweichungen vom rein weißen Farbton kommen. Großformatige Werkstücke in einer reinweißen Selektion sind sehr schwer herstellbar. Dekorative, stark geaderte Marmorsorten können im „Open book“ verlegt werden. Bei dieser spiegelbildlichen Verlegeart müssen die, im Rohblock aufeinanderfolgenden Unmaßtafeln jeweiligen abwechselnd von der Vorder- und der Rückseite poliert werden. Da die Metamorphose von Kalkstein zu Marmor unter hohen Temperaturen und Drücken verlief, enthält Marmor keine Fossilien, selbst wenn im Ursprungsgestein Fossilien enthalten waren.

Dipl.-Ing.(FH) Detlev Hill
Inhaber Informationsdienst Naturstein
Email: info@steininfo.de
Website: www.steininfo.de

Beitrag erstellt am 30.5.2018

Marmor – Entstehung

Marmor zählt zur Gesteinsgruppe der metamorphen Gesteine (auch Metamorphite oder Umwandlungsgesteine genannt). Sie bilden eine eigene Gesteinsfamilie mit genauen Definitionen bezüglich ihrer Entstehung und ihres Hauptmineralbestandes.

Carrara Marmor; Brüche in den Apuanischen Alpen
Carrara Marmor, Steinbrüche in den Apuanischen Alpen

Marmor bildete sich durch die Umwandlung bereits bestehender Gesteine. Bei den ursprünglich vorhandenen Gesteinen (Primärgesteinen), handelte es sich um Kalksteine. Diese gerieten durch tektonische Bewegungen in tiefere Bereiche der Erdkruste. Dort herrschen höhere Drücke und Temperaturen, so dass es zu einer Umwandlung dieser Kalksteine kam. Umgangssprachliche werden oftmals alle polierfähigen Kalksteine als Marmor bezeichnet. Dies ist jedoch nicht korrekt.

Marmor – Petrographische Zuordnung

Marmor zählt zu der Gesteinsgruppe der Metamorphite. Bei der Einteilung bezüglich des Mineralbestandes wird gemäß EN 12670 zwischen calcitischem Marmor ( Dolomitspatgehalten zwischen 0 – 10 Prozent); calcitisch-dolomitischem Marmor (Dolomitspatgehalt 10 – 50 Prozent); dolomitisch-calcitischem Marmor (Dolomitspatgehalt 50 – 90 Prozent) um dolomitischem Marmor (Dolomitspatgehalt 90 – 100 Prozent) unterschieden.Daneben gibt es noch silikatische Marmore mit unterschiedlichem Gehalt an Silikaten, die jedoch in EN 12670 namantlich nicht näher klassifiziert sind.

Bautechnische Relevanz:
Auf dem internationalen Natursteinmarkt werden viele Gesteine unter der Bezeichnung Marmor angeboten. Gelegentlich handelt es sich dabei um Gesteine, die im petrographischen Sinn nicht zu den Mamoren zählen und zum Teil auch andere gebrauchstechnische Eigenschaften aufweisen. Eine einheitliche Regelung zur Beurteilung gibt es weltweit nicht. In Italien werden Marmore und Kalksteine häufig unter dem Oberbegriff „marmi“ zusammengefasst. Ebenso verhält es sich in China. Hier wird gemäß GB/T 17670 (Vereinheitlichter Katalog für Naturstein) der VR China einer 4-stelligen Ziffernfolge ein „M“ voran gestellt. Unter diesem „M“ (marble) sind ebenfalls Marmor- und Kalksteinsorten zu finden. Im Geltungsbereich der Europäischen Normen sind in EN 12440 exakte Definitionen festgelegt. Nach diesen Definitionen dürfen Gesteine wie Kalksteine oder tektonische und sedimentäre Brekzien nicht als Marmor bezeichnet werden.

Dipl.-Ing.(FH) Detlev Hill
Inhaber Informationsdienst Naturstein
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Beitrag erstellt am 3.2.2012